Von Bauchtanz über Butho bis Breakdance

Fünfte Göttinger Tanz- und Kulturwoche: Tadashi Endos Choreographie „Equilibrium”

Der Begriff „Equilibrium” steht für den durch das Zusammenwirken zweier Kräfte, die sich aufheben, bewirkten Zustand der Ruhe, des Gleichgewichts. Weniger ruhig, dafür aber umso bunter und lebensfroher ist Tadashi Endos „Equilibrium”, das am Mittwoch bei der gut besuchten Göttinger Tanzkulturwoche seine Premiere feierte. In einem Tanzreigen aus sieben Bildern zeigte Endo gemeinsam mit seinen Tänzern wie unterschiedlich Tanz und Bewegung sein können. Tänzer unterschiedlichster Herkunft und Prägung brachten orientalischen Bautanz, Contemporary Dance, Breakdance, Butho und Inischen Kathak auf die Bühne und ließen daraus ein großes, farbenfrohes Ganzes entstehen. Besonders faszinierend waren dabei die Ausdrucksvielfalt, die sich da offenbarte und der lebendige Bewegungsdialog, den Endo und sein Ensemble führte. Das Publikum war bei diesem unmittelbar mit dabei und umgab die wie einen Tanzplatz angelegte Bühne auf drei Seiten. Durch die verschiedenen Tanzbilder wurden so einzelne Stile hervorgehoben, doch entstand schließlich der Eindruck, dass die Inszenierung nur durch die Ensemblewirkung ihre Stimmigkeit und Einheit erhalten hatte. Zudem war die gesamte Truppe während der ganzen Vorstellung auf der Bühne und ergänzte die einzelnen Tanzbilder, mal als regenschirmschwingender Bewegungschor, mal als quirlige Menge bei der Contact Improvisation mit überraschenden Details.

Fetzig und mitreißend war die Breakdance-Einlage, der Göttinger Breakdance-Profis James Ashraf, Osman Hayfield und Nane Knüppel, die zunächst mit eher langsamen, sehr artistisch anmutenden Bewegungen schließlich zur frechen Battle wurde. Wunderschön anzusehen war der Contemporary Dance mit anmutigen Ballett-Elementen von Ulrike Grell und die fließenden Bein und Armbewegungen von Deodatt Persud aund Lydia Scharf bei ihrer Interpretation des nordindischen Kathaks.

Seinen kraftvollen Höhepunkt erlebte der kurzweilige Abend mit zwei Butoh-Beiträgen: Ein mit jazziger Musik untermaltes Solo von Tadashi Endo, wo dieser langsam und majestätisch durch die Menschenmenge schritt, ging ein dynamisches Gruppenbewegungsbild mit Tanzparts von Seda Büyüktürkler und Elke van der Kelen über. Dieses szenische Bild, bei dem schließlich das ganze Ensemble in Bewegung war, wirkte wie ein fröhlicher tänzerischer Sonnengruß und stellte zudem eine erfrischende Kombination von Butoh mit Contemporary und Modern Dance-Elementen dar.

Karoline Jirikowski-Winter
Göttinger Tageblatt, Sonnabend, 15. Oktober 2011