„Dido und Aeneas” im Max-Planck-Gymnasium Göttingen

Um die Liebe geht es mehr oder minder in allen Opern der Musikgeschichte. Ein früher und ergreifender Beleg dafür ist Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas”, uraufgeführt kurz vor 1690 in einer englischen Mädchenschule.

Göttingen. Am Sonnabend und Sonntag war dieses Werk in der Aula des Max-Planck-Gymnasiums zu erleben: in einer musikalisch-tänzerischen Gemeinschaftsproduktion, an der Gesangssolisten, das von Ulrike Grell geleitete Tanzzentrum Göttingen, der Göttinger Kammerchor und das Göttinger Collegium beteiligt waren. Die musikalische Leitung hatte Bernd Eberhardt.

Die Idee, die handelnden Personen sowohl singend als auch tanzend auftreten zu lassen, ist ausgesprochen reizvoll. Was den Tanz angeht, hatte Choreographin Ulrike Grell noch einen besonderen Kunstgriff angewandt. Sie teilte die Rolle der Dido gleich drei Tänzerinnen zu, die jeweils einen Gefühlszustand repräsentieren – die liebende, die stolze und die hoffnungslose Dido.

Die Handlung in Kürze

Die Handlung in Kürze: Aeneas hat es nach Karthago verschlagen, wo er sich in die Prinzessin Dido verliebt. Doch wird aus den beiden kein Paar – Dido hat eine Feindin, die mit Hexenkräften dafür sorgt, dass Aeneas meint, Dido verlassen zu müssen. Daran zerbricht Dido und nimmt sich nach Aeneas' Abreise das Leben. Liebesgötter streuen Rosen auf ihr Grab.

Das Tanzensemble – bis auf den Tänzer in der Rolle des Aeneas (kraftvoll und geschmeidig: Jan Hertling) allesamt weiblichen Geschlechts – präsentiert sich mit viel Anmut und ausdrucksstarken Tanzfiguren. Grell kontrastiert die weiß gekleideten Hauptfiguren der Handlung mit einer schwarz gekleideten Gruppe von Hexen.

Dido als liebende (Pauline Schrader), stolze (Zima Massoumi) und hoffnungslose Frau (Ulrike Grell) steht in der Choreographie zu Recht meist im Mittelpunkt, ein hochästhetisches, bemerkenswert homogenes Solistenensemble, komplettiert durch Hannah Borchard und Dorothea Pilz in der Rolle der Freundin Belinda.

Hauptpersonen gut besetzt

Mit Marijana Gojkovic und Mathias Schlachter waren die Gesangspartien der Hauptpersonen angemessen besetzt, wobei besonders Didos Schlussarie „When I am laid in earth” zu Herzen ging. Mit ihrem hellen, koloraturenfreudigen Sopran setzte Patricia Grasse als Belinda darüber Glanzlichter. Die weiteren kleineren Partien waren zuverlässigen Chorsolisten anvertraut.

Als Dirigent und Cembalist sorgte Bernd Eberhard für straffe Tempi und eine klare musikalische Dramaturgie, wobei das Orchester noch mehr Sorgfalt auf präzise Intonation und klangliche Geschmeidigkeit hätte legen können. Der Kammerchor bot eine fein durchgearbeitete, ausdrucksstarke Leistung. Begeisterter Applaus für ein ambitioniertes Projekt.

Michael Schäfer
Göttinger Tageblatt, 26.05.2014